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"Praxisnah" bei torwart.de

TWT: Praxisnah - Teil II: Freistöße

von Tobias Schlitzke & Marcel Schäfer


Profis oder Amateure - die Mauer muss sein (Foto Firo)

Die Regeln sind denkbar einfach: Pfeift der Schiedsrichter einen Freistoß, ist klar, was nun kommt. Bevor der Freistoß ausgeführt wird, muss der Ball ruhig am Boden liegen, das heißt der Freistoß wird mit einem ruhenden Ball ausgeführt. Alle Spieler der verteidigenden Mannschaft müssen sich in einem Abstand von mindestens 9,15 m zum Ball oder auf der eigenen Torlinie zwischen den Pfosten befinden. Doch in der Praxis führen Freistöße und das richtige Stellen der Mauer für Keeper immer wieder zu Problemen.

Wir gehen also der Frage nach: Wie soll sich ein Torhüter bei einem gegnerischen Freistoß verhalten?

Ein erstes Problem, welches sich für die Torhüter stellt, ist die Frage, wie eine richtige Mauer gestellt werden soll. Thomas Schlieck, Torwartkoordinator von Schalke 04, erklärt gegenüber torwart.de dazu: „Es hängt immer davon ab, in welcher Liga du spielst. Man muss zwischen Profi- und Amateurbereich unterscheiden. Im Profibereich weißt du absolut, was dich erwartet, daher gibt es dort auch klarere Richtlinien“

Kommt ein Freistoß von außen gilt dabei Folgendes: Sind es zwei Schützen sollte es eine Zweimannmauer sein. Ansonsten reicht ein Spieler als Mauer. Sollte es näher in Richtung Strafraum gehen, sollte man dies auf drei bzw. bei einem sehr guten Schützen auch auf vier Spieler erhöhen. Hilft eventuell auch ein Spieler auf der Linie? Schlieck erklärt: „Das ist ähnlich wie bei Eckstößen. Wenn die Gefahr besteht, dass der Ball direkt auf das Tor kommen kann, ist es wichtig, dass du jemanden auf der Linie hat.“

Bein zentralen Freistößen sollte man ebenfalls klar unterscheiden, ob der Ball direkt oder indirekt geschossen wird. Vier Mann sollten dabei bei nahen Freistößen mindestens in der Mauer stehen. Sollte der Freistoß indirekt sein, sollte ein Spieler noch auf den Schuss des Gegners gehen. Schlieck weist auf eine zusätzliche Schwierigkeit für einen Torwart hin: „Wenn sich ein Gegner mit in dir Mauer stellt nimmt die Sicht des Torhüters auf den Schützen bzw. Ball ab.“

Das Verhalten des Torwarts bei indirekten Freistößen ist besonders wichtig. „Nicht immer ist es gut, wenn der Torwart bei einem indirekten Freistoß nach vorne geht. Der Torwart sollte ganz sicher sein, wenn er sich nach vorne in Richtung Ball bewegt. Eine allgemeine Aussage kann man hier nicht treffen“, so Schlieck.

Auch wenn die Freistoßthematik nicht einfach für einen Torwart ist, hat er dennoch Hilfsmittel. Vor allen von seinen Mitspielern kann der Keeper dabei Hilfe erwarten. Schlieck: „Ein Spieler in der Mauer, am besten der Zweiäußerste, dreht sich zum Torwart und stellt so auch die Mauer.“ Der äußere Spieler solle dies nicht übernehmen, da ansonsten die Gefahr des Zirkelns um die Mauer bestünde. Aber auch Verhalten innerhalb der Mauer sollte ebenfalls gut überlegt sein. Vor dem Schuss des Freistoßschützen sollte niemand hochspringen, sondern auf Zehenspitzen stehen und abwarten, ob der Ball ggf. flach geschossen wird.

Ein besonderer Fall ist, wenn ein indirekter Freistoß im eigenen Strafraum passiert. Einige erinnern sich noch sicherlich noch an das Pokal-Viertelfinale von Holstein Kiel gegen den BVB, als Kiel-Keeper Morten Jensen sichtlich überfordert war und die Mauer am Ende das Tor nicht abdecken konnte. Wie also sollte ich mich als Torwart dabei verhalten? „Die zentrale Frage ist, wie nahe ist der Ball am Tor? Ist der Ball im Bereich des Fünfmeterraums sollte der Torwart immer vor der Mauer stehen und er ist derjenige, der sich zum Ball bewegt. Im Grunde könnten alle Spieler das Tor komplett abdecken“, sagt Schlieck.

Gibt es eigentlich unhaltbare Freistöße? Schlieck schmunzelt: „Es gibt Bälle, die schwierig sind zu halten. Das ist außer Frage. Aber ob es wirklich unhaltbare Bälle gibt, ist eher zu bezweifeln.“

Am besten übt man solche Situationen im Training. Denn dort werden die Grundlagen für das Verhalten bei Standardsituationen trainiert. Hilfsmittel gibt es dabei genügend, auch mit Mauermännchen aus Pappe oder Kunststoff sowie einem Mitspieler, der die Freistöße schießt, kann man solche Situationen gut simulieren und trainieren.

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